, Kuwertz Kai-Uwe

Tag der Befreiung 2020

75 Jahre Ende des 2. Weltkriegs - Schwarzenbruck feiert [...weiter]

„Wenn wir für jedes Opfer des Holocaust 1 Minute schweigen würden, dann wäre 11 Jahre Stille“

Diese monströse Zahl, genannt in der Eröffnungsrede zur Gedenk- und Feierstunde zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus, machte erschreckend deutlich, von welchem unmenschlichen System Deutschland befreit wurde und wie wertvoll der darauf folgende Frieden in den meisten Ländern Zentraleuropas ist.

Der Einladung zu dieser Veranstaltung, ausgesprochen von der Gruppe „Alerta Schwarzenbruck“, folgten Vertreterinnen und Vertreter der meisten Parteien im Gemeinderat, Herr Bürgermeister Holzammer, Vertreter*innen beider Konfessionen, der Diakonie Rummelsberg sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger.

Geplant hatten die Aktivisten von Alerta eigentlich ein großes, stilles und gleichzeitig rauschendes Friedensfest am Plärrer. Ein Fest, zu dessen Vorbereitung alle Parteien und Vereine eingeladen wurden und an dem alle Schwarzenbruckerinnen und Schwarzenbrucker, ob jung oder alt, teilnehmen sollten. Das Virus hat auch hier einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Um der Wichtigkeit und Bedeutung dieses Tages dennoch gerecht zu werden, wurde eine Kundgebung angemeldet. Diese wurde von den Behörden auch unter Auflagen genehmigt.

Und so standen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, alle mit Atemschutzmaske und im korrekten Abstand, am Freitagabend auf dem Plärrer um zu gedenken und zu feiern. Die gehaltenen Reden wurden abgerundet durch das gemeinsame Singen von Liedern, u.a. dem wunderschönen Lied von den freien Gedanken. Herr Dr. Schleicher, der gemeinsam mit seiner Frau Martina Schleicher für die musikalische Umrahmung sorgte, erzählte dazu die berührende Geschichte von Sophie Scholl, die dieses Lied im  August 1942 vor dem Gefängnis, in welchem die Nazis ihren Vater eingesperrt hatten, spielte.

Die Bedeutung des 8. Mai als Gedenktag und als Tag der Mahnung für die nachfolgenden Generationen wurde von Kai-Uwe Kuwertz betont: „Es ist ein Tag der Befreiung für alle, die von den Nazis verfolgt, unterdrückt und ermordet wurden.  Es ist ein Tag der Demut und des Nachdenkens für alle anderen.  Darüber, was damals in der Gesellschaft und im Staate schief gegangen ist und was passieren muss, damit so etwas nie wieder passiert.“

In einer gemeinsamen Aktion wurde, untermalt von begleitendem Gitarrenspiel durch die Diakonin Martina Fritze von allen die Worte: „75 Jahre Frieden in Europa“ mit Kreide auf den Plärrer gemalt. Eine Losung, die noch einige Tage dort zu sehen sein wird und die immer wieder mahnt nicht zu vergessen, in welchen „…privilegierten Zeiten wir leben. In der längsten Friedensperiode die es jemals in der Geschichte Europas gegeben hat“ wie Frau Pfarrerin Munzert zur Einleitung einer Schweigeminute für die Opfer des Krieges und der Nazidiktatur ausführte.

Im zweiten Redeteil wies Petra Winterstein auf die Aufgaben der heutigen Entscheidungsträger hin, um den Frieden auch zukünftig erhalten zu können – und die nötige Art der Zusammenarbeit: „Es ist leicht, für den Frieden auf die Straße zu gehen – es ist ungleich schwerer, dies ohne Feindbilder zu tun.“

Daher wäre es ein hoffnungsvolles Zeichen, so Winterstein, dass Verteter*innen so vieler verschiedener Hintergründe die Wichtigkeit dieses Festes erkannt hätte und zusammen auf dem Plärrer feiert. Denn eines ist klar: Die Aufgabe, den Frieden zu erhalten, können wir nur mit- und nicht gegeneinander meistern.

Zum Abschluss lud Andy Taschka, von Alerta Schwarzenbruck, die Anwesenden und die ganze Gemeinde Schwarzenbruck ein, im kommenden Jahr das große Friedensfest zu gestalten und zu feiern.